Anlageprodukte für Frauen

Auf die Mischung der Investitionen kommt es an

An der Börse spekulieren oder Gold kaufen? Vieles ist möglich! Foto: istockphoto

Sybille Schultebraucks macht den Vergleich mit einer Jeanshose – damit die perfekt sitzt, bräuchten Männer und Frauen verschiedene Zuschnitte. Anders sei das, wenn es um Finanzen und Geldanlagen geht: „Spezielle Finanzprodukte für Frauen sind nicht nötig“, sagt die Finanzexpertin. „Was Sinn macht, ist eine andere Ansprache. Denn Frauen wollen lieber von Frauen beraten werden.“

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Corinna Hengsberger berät sie ausschließlich Frauen zu Vermögens- und Vorsorgefragen, gibt Tipps für Börsen-Spekulationen und die richtige Geldanlage. „Frauen sind nicht so risikofreudig wie Männer“, sagt Schultebraucks. Dennoch empfehle sie, nicht nur in fest verzinsliche Wertpapiere, die wenig Rendite bringen wie Bundesschatzbriefe oder in Tagesgeld zu investieren, sondern auch Aktien, Immobilien oder etwa Schiffsanteile zu kaufen. Viele Frauen wollten in Ethikfonds investieren, schließen Fonds mit Unternehmen aus der Erotik- und Rüstungsbranche komplett aus. „Auf die Mischung der Investitionen kommt es an“, betont Schultebraucks.

„Frauen sind genauso risikofreudig wie Männer.“

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte 2009 eine Studie zum Anlageverhalten von 8.000 befragten Frauen durchgeführt. Dabei war herausgekommen, dass die Weiblichkeit „nur wegen fehlender Mittel vorsichtiger bei der Geldanlage“ sei. Bei gleichen finanziellen Voraussetzungen hingegen zeigten Männer und Frauen die gleiche Neigung zu riskanten Anlageprodukten. Unterschiede beim Vermögen hätten, so die Studie, demnach „massive Auswirkungen“ auf das Anlageverhalten. Frauen verdienten im Schnitt 10.000 Euro weniger, ihr Vermögen sei im Schnitt um 20.000 Euro geringer – und deshalb, so sehen es die Experten, halten sie sich beim Anlegen zurück.

Eine Nachfrage von L-Guide unter deutschen Banken ergab, dass große Banken wie die Commerzbank heutzutage „keine speziellen Produkte für Frauen“ anbieten. Einzig bei der Altersvorsorge, so eine Sprecherin, „achten wir in der Beratung auf ,Vorsorgelücken’ wie die einkommensfreien Jahre während der Elternzeit.“ Dies werde mit eingeplant. Ein Verneinen auch beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). „Wir machen vor dem Produktverkauf eine umfassende Analyse der Lebenssituation – egal, ob Mann oder Frau“, sagt Steffen Steubel, BVR-Pressereferent. Auch wenn Frauen ein anderes Finanzverhalten hätten – sie zahlen pünktlicher und verschulden sich nicht so schnell wie Männer – würde es immer „in gleiche Produkte münden“.

Bankberaterinnen berichten, dass in reinen Frauenveranstaltungen Frauen sich viel offener gäben, sachlich und kritisch nachhakten – und nicht wie Männer mit ihrem Wissen kokettieren. Wer als Bankberater also mit komplizierten Fachbegriffen um sich wirft, hat schlechte Karten bei Kun-dinnen. Diese wollen Details verstehen, fragen nach Kosten, Risiken und Chancen einer Anlage. „Frauen“, sagt Ann Kathrin Stenner vom Bankhaus Hauck & Aufhäuser, „wählen eher eine Anlage mit drei Prozent Rendite, die garantiert sind, als eine Anlage, bei der eine höhere Rendite mit Fragezeichen versehen ist.“ Für alles nehmen sie sich Zeit – aber, wenn die Entscheidung getroffen ist, vertrauten sie der Bank auch.      
Jana Schulze

www.finanziella.de
www.diw.de

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