Man eine hat die Liebste an einem einsamen Strand getroffen. Foto: Martina Weigel

Im Internet gibt es fast alles – warum also nicht auch die neue Liebe? Was manche für total unromantisch halten, ist für ca. sieben Millionen Nutzer/ innen durchaus ein denkbarer Weg. Dass 2009 fast 190 Mio. Euro Umsatz mit Onlinebörsen gemacht wurden, erklärt die Flut von Anbietern. Also steht vor dem großen Glück die Qual der Wahl.

Ein Unterschied besteht zwischen Singlebörsen und Partnervermittlungen. In Singlebörsen treffen sich eher jüngere Nutzer/innen, für die Flirten und Spaß im Vordergrund stehen. Hier muss man sich selbst durch die Flut von Profilen möglicher Kontakte ackern. Singlebörsen (finya, flirtcafe, iLove, neu.de u.a.) sind oft kostenlos oder recht günstig.

Bei Partnervermittlungen wie gayparship, Elitepartner,eDarling, Gleichklang ist die Anmeldung kostenlos möglich, aber schon bei der ersten Aktion oder Kontaktaufnahme kommt man oft um das Bezahlen nicht herum. Hier können für drei Monate 180 Euro fällig werden. Vorteil: Es gibt kaum „Karteileichen“, denn wer so viel Geld bezahlt, hat ernstere Absichten. Am Beginn einer Mitgliedschaft stehen Persönlichkeitstests und das Anlegen eines Profils. Danach gleichen gewaltige Datenbanken diese Ergebnisse ab (im sogenannten Matching), und man bekommt (rechnerisch) passende Partner vorgeschlagen.

Sieben Millionen Menschen suchen ihr Glück im Internet

Vorsicht ist jedoch immer geboten: Zahlungsmodalitäten und Kündigungsfristen sind oft undurchsichtig und Probe-Abos können sich sehr schnell zu sechsmonatigen und teuren Verträgen mausern. Auch wenn es weh tut: Am besten ist, man quält sich zuerst durch die AGBs, streicht sich die entsprechenden Stellen an und hebt sie sich gut auf.

Natürlich gibt es Kontaktbörsen für spezielle Zielgruppen. Oftmals bieten sie weit mehr Inhalte, als die reine Partnervermittlung oder Kontaktanbahnung. Lesarion stellt ein großes Portal für lesbische, bisexuelle und transsexuelle Frauen dar. Gleichklang.de versteht sich als alternative Kontaktbörse für Menschen mit sozial-ökologischer Verantwortung.

Für welchen Anbieter man sich auch entscheidet, man könnte die folgenden neun Regeln beherzigen:

1. Überlege vorher, welche Art von Beziehung du suchst (und was du definitiv nicht willst).

2. Fülle Fragen vollständig und wahrheitsgemäß aus, denn Lügen haben auch hier kurze Beine. Das bedeutet jedoch nicht, dass du nicht Dinge weglassen kannst.

4. Nimm dir Zeit und versuche Formulierungen zu finden, die dich von anderen abheben. Stelle ein aktuelles Foto ein, Profile ohne Bild erhalten kaum Zuschriften. Bei guten Partnerbörsen kannst du selbst festlegen, wem du dein Bild zu welchem Zeitpunkt freischaltest.

5. Bleibe am Ball und reagiere rasch und regelmäßig auf Kontakte.

6. Gib nicht zu schnell alles von dir Preis, vermeide aber ewige Korrespondenzen. Versuche recht schnell zu telefonieren (Stimme hören!).

7. Kontakte, die dir richtig gut gefallen, solltest du bald treffen, das hält Enttäuschungen kleiner.

8. Triff dich an einem neutralen Ort. Falls du eher schüchtern bist, verknüpfe das erste Date mit einem kulturellen oder sportlichen Ereignis. So wird es zumindest ein interessanter Nachmittag oder Abend – auch wenn der Kontakt nicht der richtige war.

9. Reagiere nicht auf teure Telefonnummern (Vorwahlen!), überweise niemandem Geld und lass dich nicht auf eine andere, vorgeblich „bessere“ Kontaktbörse umleiten.

Auch Social Networks eignen sich zum Flirten. Bei Facebook kann man sich mit der Auserwählten „anfreunden“ – jedoch nur, wenn man sie auch im wahren Leben kennt oder über einen „Freund“. Postings, Kommentare oder Veranstaltungstipps an ihrer Pinnwand können Interesse signalisieren. Aber bitte behutsam und nicht inflationär! Wie im richtigen Leben ist allerdings Rückzug angesagt, falls sie gar nicht oder genervt reagiert. Ähnliches funktioniert sogar über die Businessplattform Xing. Hier kann man berufliche Interessen vorgaukeln und so in Kontakt gelangen.

Am Schluss sei noch angemerkt: Man geht bei Onlinepartnervermittlungen von einer Erfolgsquote von 30 bis 40 Prozent aus. Also nur für jeden dritten Topf ein Deckel. Wie im wahren Leben.
Martina Weigel

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